Marketing-News, 19. September 2026: Google streicht kostenlose Produktkarten in Europa

Google hat in Europa die kostenlosen Produktkarten in der Suche abgeschaltet: die Blöcke mit beliebten Produkten sind in zwei Tagen um 90% bis 100% eingebrochen. Außerdem in den letzten 24 Stunden: automatische Synchronisation von Werbevideos in 33 Sprachen in Google Ads, Produktbewertungen per API im Merchant Center und ein Test in Discover, bei dem ein Knopf statt des Artikels eine KI-Zusammenfassung öffnet.
Thema des Tages: Google entfernt die kostenlosen Produktkarten aus der europäischen Suche
Am 18. September 2026 hat Google im Europäischen Wirtschaftsraum aufgehört, kostenlose Produktkarten und Produktkarussells anzuzeigen. Das sind organische Blöcke mit Produktfoto, Preis und Shopnamen: Google hat sie aus dem Feed im Merchant Center zusammengestellt, also aus dem Konto, in das ein Shop seine Produktliste hochlädt, und bei kommerziellen Suchanfragen kostenlos ausgespielt, ohne Klickpreis. Jetzt gehört dieser Platz in den Ergebnissen den Preisvergleichsdiensten: den Partnern des CSS-Programms und vertikalen Produktdiensten.
Wie hart die Abschaltung ausfällt, hat der Analyst Hugo Huijer von Productrise gemessen: nach seiner Auswertung sind die "popular products" Blöcke in zwei Tagen um 90% bis 100% eingebrochen, und zwar in allen Ländern des Raums mit ausreichender Datenlage, darunter Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden und die Niederlande. Denselben Absturz zeigen die Kurven im Semrush Sensor, einem Tool, das Schwankungen in den Suchergebnissen nach Ländern verfolgt. Es geht also nicht um einen Rückgang, sondern um das Ende des Formats.
Den Grund hat Ginny Marvin von Google Ads bestätigt: die Karten sind wegen der Anforderungen des Digital Markets Act verschwunden, des europäischen Gesetzes über digitale Märkte, das Google verbietet, die besten Plätze in den Ergebnissen den eigenen Diensten zu geben. Google hatte sein europäisches Umbaupaket schon früher als die größte Verschlechterung der eigenen Suchqualität bezeichnet, und genau das ist hier der Fall: eine kostenlose Quelle für Produkttraffic verschwindet nicht, weil sie schlecht funktioniert hat.
Wen das betrifft: alle, die Produkte an Käufer in Europa verkaufen und von dort Klicks aus dem Feed bekommen haben. Kostenlose Karten gibt es nicht mehr, übrig bleiben bezahlte Shopping-Kampagnen in Google Ads, die Platzierung über einen CSS-Partner und die eigene Website mit den eigenen Trafficquellen. Die Rechnung muss neu aufgemacht werden: wenn im Modell des Shops kostenlose Einblendungen aus dem Feed einen Teil der Bestellungen gebracht haben, kostet dieser Teil jetzt Geld pro Klick oder wandert in Newsletter, Social Media und Marktplätze ab.
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Das Tool heißt Video Ads Dubbing und sitzt im Asset Studio, dem Bereich des Google Ads Kontos, in dem aus bereits hochgeladenen Dateien Creatives für verschiedene Formate gebaut und bearbeitet werden. Es funktioniert so: ein fertiges Video wird genommen, die Sprache darin übersetzt und neu vertont, heraus kommen 33 Sprachen und Sprachvarianten, ein Dreh wird also zu Dutzenden lokalen Versionen ohne Studio und Sprecher. Der Zugang ist noch selektiv, und für die Konten, in denen er auftaucht, ist die Funktion kostenlos. Vorher war das eine interne Möglichkeit von Google, erstmals entdeckt im Oktober 2025. In den eigenen Werbematerialien nennt Google eine um 86% höhere Klickrate und einen um 75% niedrigeren Klickpreis, das sind aber Googles eigene Beispiele und kein Versprechen. Gesehen hat das Update zuerst die Google Ads Trainerin Jyll Saskin Gales.
Das Dokument heißt "About commerce audience sharing through Google Ads". Der Aufbau: ein Commerce-Partner, also ein Händler oder Marktplatz, gibt einem Werbepartner, also einer Marke oder einem Verkäufer, Segmente seiner eigenen Käuferdaten. Die Marke kann sie mit eigenen Daten mischen und Kampagnen in den unterstützten Commerce-Media-Formaten starten, also Werbung innerhalb von Handelsplattformen. Die wichtigste Einschränkung: eine Kampagne auf Basis der Shop-Zielgruppe darf Traffic nur auf die Website dieses Shops führen, nicht auf die der Marke, und die Zugriffseinstellungen bleiben beim Shop. Für einen Hersteller ist das ein Weg, Werbung auf fremden Käuferdaten zu kaufen, aber Bestellung und Kunde bleiben beim Shop.
Discover ist der Feed mit empfohlenen Inhalten in der Google App und auf der mobilen Startseite, für Medien und Blogs eine große Trafficquelle. Aktuell führt ein Tippen auf die Karte zur Website des Publishers. Im Test öffnet der Knopf "Dive deeper" eine von der KI erzeugte kurze Übersicht zum Thema mit dem Hinweis, dass der Text von KI stammt und Fehler enthalten kann, die Links zu Artikeln, Reaktionen aus der Community und Originalquellen stehen erst in dieser Übersicht. Über das Experiment hat am Freitagabend Robby Stein von Google geschrieben: es startet mit Videos, in den nächsten Wochen sollen mehrere Darstellungsvarianten geprüft werden. Wer von Discover-Traffic lebt, hat ein direktes Risiko: der Nutzer bekommt das Wesentliche innerhalb von Google und kommt womöglich gar nicht mehr auf die Website.
Es geht um eine Aktualisierung der Regeln für Websites mit Inhalten für Erwachsene, in der ein eigener Abschnitt "For Google Shopping features" aufgetaucht ist. Gekennzeichnet wird mit dem Attribut adult im Feed des Merchant Center, also des Kontos, in das ein Shop seine Produkte für Produktkarten und Produktwerbung lädt, oder mit dem Markup hasAdultConsideration auf der Produktseite, wenn das Produkt unter Googles Richtlinie zu Inhalten für Erwachsene fällt. Google stellt ausdrücklich klar, dass die Kennzeichnung selbst die Sichtbarkeit der Website in der normalen organischen Suche nicht beeinflusst. Betroffen sind Shops ab 18 und alle Produktkarten dieser Kategorie: vorher war das eine Empfehlung, jetzt gilt eine fehlende Kennzeichnung als Regelverstoß.
Produktbewertungen sind eine eigene Datenquelle im Merchant Center: auf ihrer Basis zeigt Google Sterne und Noten in den Produktkarten. Vorher stand in der Hilfe ausdrücklich, dass für diese Quelle keine API unterstützt wird, die Datei musste nach Zeitplan bereitgestellt oder manuell hochgeladen werden. Jetzt ist die Formulierung auf das Hinzufügen von Bewertungen per API geändert, ein Shop kann frische Bewertungen also automatisch aus dem eigenen System übergeben. Der praktische Nutzen für den Verkäufer ist einer: die Noten in den Karten hinken der Realität nicht mehr um den Zeitraum zwischen zwei Exporten hinterher. Bedingungen, Limits und ein Datum für den vollen Rollout hat Google nicht genannt, die Änderung hat Search Engine Roundtable bemerkt.
Darüber hat am 18. September 2026 Search Engine Roundtable berichtet: betroffen sind Scraper für KI-Training, Scraper der Suchergebnisse und Drittanbieter-Tools für Rankingmessung. Das fällt zusammen mit zwei Rücknahmen in den Suchergebnissen, die am 4. und 12. September 2026 registriert wurden, und damit, wie Google in den letzten Monaten nicht-menschliches Verhalten in der Suche aussortiert. Am selben Tag hat Barry Schwartz beschrieben, dass auch Bing einen Teil der Nutzer vor der Anzeige der Ergebnisse bestätigen lässt, kein Roboter zu sein: bei Google sind solche Prüfungen bereits häufig. Für Websitebetreiber heißt das: Daten in Rankingtools können unvollständig und löchrig werden, und Reports aus verschiedenen Wochen sollte man in nächster Zeit mit diesem Vorbehalt vergleichen, statt Ausschläge der Arbeit des SEOs zuzuschreiben.
AI Mode ist ein eigener Modus von Google, in dem statt einer Linkliste eine ausführliche KI-Antwort mit Rückfragen erscheint. Den Einstieg gibt es schon fast überall, auch auf der Google Startseite, aber auf der Ergebnisseite musste man ihn bisher separat ansteuern, jetzt wird er in die Suchleiste selbst eingebaut, damit man ohne Rücksprung zur KI-Antwort wechseln kann. Es ist ein Test, Fristen und Reichweite hat Google nicht genannt. Der Sinn für alle, die Traffic aus der Suche bekommen, ist einfach: je näher der Knopf an der Suchleiste sitzt, desto mehr Anfragen landen in einem Modus mit weniger Links zu Websites.
Das sind die Blöcke, die Google für die Anforderungen des Digital Markets Act in die Suchergebnisse gebaut hat: in einem erscheinen Aggregatoren und Vergleichsdienste, im anderen direkte Anbieter von Leistungen, etwa Hotels oder Fluggesellschaften. Google hat die Dokumentation zu beiden Blöcken aktualisiert und eine Formulierung zu lokalen Unternehmen ergänzt: bei Anfragen mit Ortsbezug können dort jetzt auch ganz normale lokale Anbieter auftauchen. Für Dienstleistungswebsites und lokale Unternehmen in Europa ist das ein neuer Einstieg in die Suchergebnisse, den es vorher nicht gab. Auswahlkriterien und Beispiele hat Google nicht genannt, über die Änderung berichtet Search Engine Roundtable.
Was Shopbetreiber, Publisher und Werbetreibende jetzt tun sollten
- Wer Produkte an Käufer in Europa verkauft, sollte den Trafficplan neu bauen: kostenlose Karten aus dem Feed funktionieren dort seit dem 18. September 2026 nicht mehr, rechnet die Ökonomie bezahlter Shopping-Kampagnen und einer CSS-Partneranbindung durch und zieht Newsletter und Social Media in der Priorität nach oben.
- Prüft den Feed im Merchant Center: setzt das Attribut adult dort, wo es die Richtlinie von Google verlangt, und stellt das Hochladen von Produktbewertungen auf die API um, damit die Sterne in den Karten den echten Noten entsprechen.
- Rankingreports für September lest mit Vorbehalt: seit dem 13. September 2026 blockiert Google Messdienste aktiver, Lücken in den Daten sind nicht immer Lücken in den Suchergebnissen.
- Wenn in eurem Google Ads Konto das Asset Studio mit Synchronisation auftaucht, nehmt ein funktionierendes Video und baut daraus Versionen in den nötigen Sprachen, bevor ihr einen neuen Dreh beauftragt.
- Wer in Europa Dienstleistungen anbietet, sollte die neuen Blöcke für Aggregatoren und Anbieter im Blick behalten: lokale Unternehmen können dort jetzt auftauchen, das ist eine Einstiegsmöglichkeit ohne Klickpreis.
Die europäische Suche ist in zwei Wochen zu einer Sammlung fremder Schaufenster geworden: erst das Karussell mit Drittanbietern, jetzt die Produktkarten. Der kostenlose Traffic aus der Suche ist dort früher zu Ende gegangen, als die meisten ausrechnen konnten, wie viel er eingebracht hat.


