Marketing-News, 26. Oktober 2026: Die EU lockert die Regeln zur Cookie-Einwilligung
Europa will Websites erlauben, Besucher zu zählen und kontextuelle Werbung ohne Einwilligungsbanner zu messen, vorerst aber nur in der Position des Rates der EU. Meta nennt eine Schwelle von 50 Conversions pro Woche, unterhalb derer ein Kauf bei Meta 28% teurer wurde, und Google Ads zeigt im AI-Max-Bericht, wo die Automatik entschieden hat und wo der Werbetreibende selbst.
Thema des Tages: Der Rat der EU hat gelockerte Cookie-Regeln für Analyse und kontextuelle Werbung abgestimmt
Am 21. Oktober 2026 haben die Botschafter der EU-Staaten im Rat der EU, dem Gremium, in dem die Regierungen der Mitgliedstaaten sitzen, ein Mandat zum Digital Omnibus abgestimmt. Der Digital Omnibus ist ein großes Paket von Änderungen an europäischen Gesetzen zu Datenschutz und Daten. Der 179 Seiten starke Text schreibt Teile der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) um, außerdem der ePrivacy-Richtlinie, nach der Websites um Einwilligung für Cookies bitten, des Data Act über den Zugang zu Daten und der Regeln für Meldungen zu Cybervorfällen. Am 22. Oktober ging das Dokument unter der Nummer 14756/26 an die Delegationen, am 25. Oktober veröffentlichte PPC Land eine ausführliche Analyse.
Cookies sind Dateien, mit denen eine Website Besucher zählt und Werbung misst. Heute fragt eine Website für Analyse und Werbemessung per Banner nach Einwilligung, und viele Menschen klicken auf "Ablehnen". Die Position des Rates führt eine abschließende Liste von 6 Zwecken ein, für die keine Einwilligung mehr nötig ist. Dazu gehört die Messung kontextueller Werbung, also von Anzeigen, die zum Thema der Seite ausgespielt werden und nicht nach dem Verlauf der Person.
Die zweite Änderung betrifft die Ablehnung. Hat jemand "Nein" gesagt, darf die Website frühestens nach 4 Monaten erneut um Einwilligung bitten. Im ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission lag diese Frist bei 6 Monaten, der Rat hat sie um 2 Monate verkürzt, nachfragen darf man also deutlich öfter. Verhaltensbasiertes Targeting (Werbung nach den Interessen einer Person), seitenübergreifendes Tracking (Verfolgen einer Person über verschiedene Websites hinweg) und Programmatic (automatisierter Einkauf von Impressionen an Werbebörsen) brauchen weiterhin eine Einwilligung.
Für Websites, Blogs und Shops mit Traffic aus der EU ist das ein Versprechen: weniger Banner für die Analyse und mehr Daten zur kontextuellen Werbung. Ein Versprechen, kein Gesetz. Das Europäische Parlament hat noch keine eigene Position zum Digital Omnibus, und danach müssen Rat und Parlament einen gemeinsamen Endtext aushandeln. Ich habe schon gesehen, wie sich solche Texte in der letzten Runde verändern, deshalb ist es für Freude zu früh.
Den Cookie-Banner muss man jetzt nicht anfassen. Sinnvoll ist etwas anderes: In den Einstellungen der Website und des Tag-Managers drei Dinge in getrennte Kategorien legen, nämlich normale Analyse, Messung kontextueller Werbung und Targeting. Werden die Regeln in der Fassung des Rates beschlossen, gelten für die ersten beiden Kategorien andere Bedingungen als für die dritte, und man muss nicht alles in Eile umbauen.
Weitere Nachrichten vom 26. Oktober 2026
Darüber schrieb am 25. Oktober Search Engine Roundtable, ein Fachmedium zur Suche, das Daten von etwa 15 Ranking-Trackern zusammenführt, darunter Mozcast, Semrush, Sistrix und Similarweb. Das ist ein neuer Ausschlag, getrennt von den Schwankungen am 20. und 21. Oktober. Das letzte bestätigte Update, das Google September 2026 Spam Update, lief vom 24. September bis 8. Oktober 2026 und ist bereits abgeschlossen. Betreiber von Nachrichtenseiten klagen über Discover, den Empfehlungsfeed in der mobilen Google-App: Einer schreibt, ein Artikel bekomme von dort inzwischen höchstens 6 Stunden lang Traffic, ein anderer, so sei es meist vor einem Update. Website-Betreibern bleibt vorerst, den 24. Oktober in ihren Berichten zu markieren und eigene Einbrüche damit abzugleichen, ohne Seiten blind umzubauen.
AI Max ist ein Modus für Suchkampagnen in Google Ads, in dem Google selbst Suchanfragen erweitert und Anzeigentitel und Zielseiten auswählt. Bisher sah man im Bericht "Search terms and ad combinations", welche Suchanfrage zu einem Klick geführt hat, aber nicht immer, wer den Rest ausgewählt hat. Jetzt stehen neben jeder Suchanfrage die Quellen für Abgleich, Zielseite, Titel und Beschreibung: ob die Google-Automatik sie gewählt hat oder der Werbetreibende selbst. Die Spalten sind in einem Live-Konto aufgefallen, am 19. Oktober berichtete PPC News Feed darüber, am 25. Oktober folgte eine Analyse von PPC Land. Google hat die Spalten nicht angekündigt, in der Hilfe zu den AI-Max-Berichten fehlen sie mit Stand 25. Oktober. Werbetreibende sollten die Spalten einschalten und schlechte Suchanfragen und Seiten, die die Automatik ausgewählt hat, direkt aus dem Bericht ausschließen.
Die wichtigste Zahl: Anzeigengruppen mit weniger als etwa 50 Conversions pro Woche kosteten laut Metas eigener Auswertung etwa 28% mehr pro Kauf. Meta gibt eine Formel für die Obergrenze: Wochenbudget geteilt durch 50 mal Kosten pro Ergebnis. Ein Rechenbeispiel: Bei 10,000 Euro Wochenbudget und 50 Euro pro Kauf ergibt sich 10,000 / (50 x 50) = 4 Gruppen. Außerdem rät Meta, 1 Kampagne zu wählen, bei Bedarf die Optimierung umzustellen und sie während des Experiments nicht anzufassen. PPC Land kritisiert, dass Meta weder Stichprobengröße noch Zeitraum, Region, Branche oder Kampagnentyp nennt. Die Folgerung für Werbetreibende vor dem Black Friday ist einfach: weniger Gruppen und weniger Eingriffe.
Bisher konnten Zuschauer nur eines der vorgegebenen Themen wählen, die YouTube über dem Hauptfeed anzeigt. Jetzt lässt sich der Feed nach Interessen, Vorlieben und Stimmung einstellen, und am 24. Oktober präzisierte PhoneArena, dass man die gewünschten Videos in eigenen Worten beschreiben kann, ohne vorgegebene Kategorien. Über den Start berichtete der pakistanische Fernsehsender Samaa, nach seinen Angaben gelten für Gratisnutzer und Abonnenten von YouTube Premium unterschiedliche Limits für solche Feeds. Für Creator heißt das, dass Zuschauer unpassende Themen genauer ausfiltern können. Ein Kanal, in dem jedes Video ein anderes Thema hat, fällt leicht aus solchen Feeds heraus, deshalb sollte das Thema eng bleiben und aus den Videotiteln klar hervorgehen.
Am 26. Oktober stellte MediaPost es unter die wichtigsten Nachrichten des Tages. Das Verbot betrifft Facebook, Instagram, TikTok und ähnliche Plattformen, auch LinkedIn, das berufliche Netzwerk von Microsoft, fällt darunter. Messenger bleiben für Kinder unter 15 Jahren erlaubt. Eltern können eine Registrierung nicht erlauben, und Konten, die vor Januar angelegt wurden, sind keine Ausnahme. Bei Verstößen drohen den Plattformen Strafen nach dem Digital Services Act, dem europäischen Gesetz über digitale Dienste. Laut AFP haben mehr als 20 Länder ähnliche Gesetze beschlossen. Marken und Creator mit jugendlichem Publikum sollten damit rechnen, dass ihre Reichweite in sozialen Netzwerken schrumpft, und frühzeitig über Messenger und andere Kanäle nachdenken.
Üblicherweise wird Fernsehwerbung in Indien nach Einschaltquoten verkauft. GTPL liefert Werbetreibenden Kennzahlen zu Impressionen und zur Sehdauer der Werbung auf den Boxen, und nach Einschätzung des Mediums nützen die täglichen TV-Quoten des Anbieters ohne Publikumszahlen den Sendern wenig. In derselben Übersicht stehen die Ergebnisse des indischen Mediaagentur-Preises EMVIES 2026: Mindshare hat Wavemaker verdrängt. Für Marketer ist das ein Beispiel dafür, wie das Fernsehen auf dasselbe Einkaufsmodell umsteigt wie die Onlinewerbung: Man zahlt für Impressionen, die man im Bericht sieht, und nicht für eine errechnete Quote.
Was Creator, Werbetreibende und Website-Betreiber jetzt tun sollten
- Werbetreibende bei Meta: Teilen Sie das Wochenbudget durch 50 mal Kosten pro Ergebnis. Haben Sie mehr aktive Anzeigengruppen als die errechnete Zahl, legen Sie sie zusammen und ändern Sie sie bis zu den Rabattaktionen nicht jede Woche.
- Werbetreibende in Google Ads mit AI Max: Fügen Sie dem Bericht "Search terms and ad combinations" die 4 Quellenspalten hinzu und schließen Sie Suchanfragen und Seiten aus, die die Automatik ausgewählt hat und die nicht verkaufen.
- Website-Betreiber: Markieren Sie den 24. Oktober in der Analyse als Tag mit Schwankungen in der Google-Suche, Nachrichtenseiten zusätzlich als Tag mit Discover-Einbruch. Bauen Sie die Website nicht um, solange Google kein Update ankündigt.
- Website-Betreiber mit Traffic aus der EU: Ändern Sie den Cookie-Banner vorerst nicht, aber legen Sie Analyse, Messung kontextueller Werbung und Targeting in den Einstellungen in getrennte Kategorien.
- Creator auf YouTube: Prüfen Sie, ob das Thema des Kanals aus den Titeln der letzten 10 Videos klar wird. Ein Zuschauer mit anpassbarem Feed entscheidet in einer Sekunde.


